Musical-Tipp: African Footprint

Am 11. Mai 2000 erlebte Richard Lorings "African Footprint" in Anwesenheit des südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki seine Uraufführung im neu eröffneten Globe Theatre vor den Toren der südafrikanischen Millionenmetropole Johannesburg. Mehr als 1000 Aufführungen sind bis heute über die Bühne gegangen und machten "African Footprint" zur erfolgreichsten Showproduktion Südafrikas. Nach gefeierten Gastspieltourneen in den USA, Australien und China ist das furiose Spektakel nun erstmals in Europa zu erleben. Seit Juli diesen Jahres sorgte die Bühnen-Show rund um die Geschichte Südafrikas bereits in Köln, Mannheim und Hamburg für ein begeistertes Publikum.
Die Show
Die Spur führt zurück zum Anfang allen Lebens. Schemen schälen sich aus der Dunkelheit. Muskulöse Gestalten winden sich anmutig und grazil zum erdigen Klang der Trommeln. Der Mensch betritt die Erde, erspürt, erkundet, entdeckt grimmige Berge und lächelnde Hügel, Lagunen, Flüsse und Seen. Und er erkämpft sich in einem ungestüm und leidenschaftlich getanzten Schöpfungsmythos seinen Lebensraum. Die Geschichte nimmt ihren Lauf - und die Menschen hinterlassen ihre Fußspuren im Sand.
Die südafrikanische Bühnenshow "African Footprint" erzählt von Aufbruch, Hoffnung und Neubeginn. Rund 30 großartige Tänzer, Sänger und Musiker entführen den Zuschauer auf eine faszinierende Reise durch die Zeit und blättern mit dynamischen Tanztableaus und aufwühlenden Songs im regenbogenbunten Geschichtsbuch ihrer Heimat. "African Footprint" - das ist ein getanzter Gefühlsausbruch, ein farbenprächtiger Rausch der Bilder und Emotionen, ein Fest für die Sinne voller überbordender Lebenslust.
Der Mann wird zum unbeugsamen Krieger. Er jagt, um zu leben. Er verteidigt Hab und Gut. Er kämpft stolz mit Schild und Speer. In einem impulsiven Pas de Trois findet der drahtige Held zu seiner Frau - und zu seinem Widersacher. In einer großen Ensembleszene erleben wir Stammesfehden, aus Gegeneinander wird Miteinander, das Land wird besiedelt und urbar gemacht. Und im Dorf entflammt zum Schlagen zweier Stöcke das einende Lagerfeuer unter dem Affenbrotbaum.
Die Zukunft leuchtet am Horizont. In den pulsierenden Klang der Trommeln mischen sich Melodien. Einfache Instrumente erklingen: Flöten, ein einsaitig bespannter Kürbisbogen, das Daumenklavier Mbira - und plötzlich bricht sich ein Saxophon Bahn. Die Moderne hält Einzug, traditionelle Rhythmen mischen sich mit zeitgemäßen Beats, auf der Bühne breitet sich Sophiatown aus, jenes pulsierende Stadtviertel Johannesburgs, das in den dreißiger und vierziger Jahren Hochburg des Entertainments war, Vergnügungsviertel und Lustmeile, Kulturzentrum der Dichter und Trinker, Tänzer und Hallodris, Sänger und Gauner. Ein Klein-Harlem voll kreativer Kraft - das vom Apartheid-Regime in den fünfziger Jahren dem Erdboden gleichgemacht wurde.
Der englische Produzent und Regisseur Richard Loring, der sich in den sechziger Jahren während seines Schauspielaufenthalts in Südafrika mit dem Theaterstück "The Boyfriend" in das Land verliebte und dort blieb, ist Triebfeder und Motor von "African Footprint". Er wollte der jungen südafrikanischen Demokratie mit dem Stück Mut machen, positive Kräfte mobilisieren - und der Jugend des Landes eine Möglichkeit geben, sich auszudrücken und wiederzufinden. "Ich wollte positive Kräfte bündeln. Politik findet nur am Rande statt. Es geht um Optimismus, das ist es, was ich mit dieser Show zeigen will." so Loring.
Sophiatown ist einer der vielen Höhepunkte in dieser kompakten 90-Minuten-Odyssee. In seinem Roman "Sophiatown" hat der südafrikanische Schriftsteller Don Mattera seine Jugendjahre in diesem Schmelztiegel der Kulturen beschrieben. Loring konnte den unter anderem mit dem Kurt-Tucholsky-Preis ausgezeichneten Autor gewinnen, die Show mit seinen kraftvollen Gedichten erzählerisch einzurahmen. Der amerikanische Jazz kehrt zurück zu seinen afrikanischen Wurzeln, Steptanz und Swing prägen den Kwela-Jive in einer dramatischen Fusion von Tradition und Moderne. Mit Debbie Rakusin und David Matamela hat Loring zwei preisgekrönte Choreographen im Team, die der langen Reise vom Gestern ins Heute atemberaubend Form geben.
Aus dem Krieger ist inzwischen ein Arbeiter geworden, der sich in Sophiatown mit einer Geliebten vergnügt. Seine Ehefrau taucht auf, um ihn ins Dorf zurückzuholen, doch er will nicht. Später wird sie ihm Briefe ins Gefängnis schreiben. An dieser Stelle wird das Drama der jahrzehntelangen Unterdrückung spürbar. In einem bewegenden, grandios artistischen Pas de Deux prallen der schwarze und der weiße Gefangene aufeinander, messen in zeitlupenhaftem, dann blitzschnellem Kampf die Kräfte - um sich letztlich in einem Akt physischer und psychischer Balance die Hand zu reichen.
Das aufwühlende Song-and-Dance-Spektakel "African Footprint", mit dessen Deutschlandtournee das Ende der Apartheid begangen wird, entstand in einer Diskothek in Johannesburg. Dort wurden in einer mehr als einjährigen Probezeit die unterschiedlichsten Tanzstile einstudiert und entwickelt, die zum Markenzeichen der Show geworden sind. Erstmals traten die jungen Künstler als Teil der Feier zur Jahrtausendwende auf Robben Island auf, jener Gefängnisinsel, auf der Freiheitsikone Nelson Mandela jahrelang eingekerkert war.
Die südafrikanische Republik steht auch nach zehn Jahren Demokratie noch vor vielen politischen, sozialen und ökonomischen Problemen. Man setzt auf die Jugend. 70 Prozent der Bevölkerung Südafrikas ist jünger als 35 Jahre, Obdachlosigkeit von Kindern und Jugendlichen ist neben Armut, Aids und Gewalt eines der großen Probleme. Ziel der Politik von Präsident Mbeki ist es, die Einwohner, die sich aus vielen afrikanischen Völkern und Zugewanderten zusammensetzen, zu vereinen. Diesen südafrikanischen Traum bringen die Künstler von "African Footprint" mit ihrer musikalischen Interpretation auf die Bühne. Optimismus ist der Grundgedanke, sowohl in der Politik als auch in der Show. Dies ist, so Richard Loring, "die erste südafrikanische Musical-Show mit schwarzen und weißen Ensemblemitgliedern, und sie benutzt die verschiedenen Sprachen des Landes." Loring hat die reichhaltige Kultur der "Rainbow-Nation", wie sich der Vielvölkerstaat Südafrika selbst nennt, zu einem flirrenden Bilderbogen vereint, als eine Art Mischung traditioneller Mystik und urbanem Tempo. Und zu einem Plädoyer für den gemeinsamen Weg in eine positive Zukunft.
Die Musik
Komponist Dave Pollecutt hat mit der Musik von "African Footprint" eine einzigartige Mischung aus Musical, afrikanischen Rhythmen, Jazz und moderner Popmusik geschaffen. Die Vielseitigkeit der Geschichte des Vielvölkerstaates Südafrika spiegelt sich perfekt im musikalischen Arrangement wider.
Die Termine
01.09. - 06.09.2004 Hamburg / Kampnagel
09.09. - 30.09.2004 Berlin / Schillertheater
22.09. - 30.09.2004 Hamburg / CCH
05.10. - 10.10.2004 Bologna / Italien
13.12. - 23.12.2004 Frankfurt (M.) / Jahrhunderthalle
ab 18.02.2005 München / Deutsches Theater
Fazit der Redaktion
Die Lebensfreude und Energie des südafrikanischen Ensembles springen vom ersten Moment an wie ein Funke auf das Publikum über. Die Show glänzt mit vielseitigen Choreographien, einer ausdrucksstarken und bewegenden Performance, mitreißender Musik sowie stimmgewaltigen Sängern und klasse Tänzern. Zudem gibt es kein aufwendiges Bühnenbild, welches vom Rest ablenken könnte. So hat man Afrika noch nie gesehen! Eine Show, die einfach begeistert!
African Footprint im Web: www.africanfootprint.de oder www.wbc-musical.de
Tickets für die Shows gibt's u.a. hier:
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