Mit Tantra zu mehr Lust

Hemmungslose Sexspiele und Massenorgien - darauf wird Tantra oft reduziert. Doch Tantra ist mehr. Ziel der spirituellen Lehre ist es, den Menschen zu mehr Selbsterkenntnis zu führen. Dazu bezieht Tantra das ganze Leben mit ein, also auch die Sexualität. Im tantrischen Verständnis ist Eros so etwas wie die Sonne auf der Haut oder ein ganz besonderer Duft. Dieses Besondere der Sexualität wollen Tantra-Übende finden. "Es geht darum, die Zweisamkeit neu zu entdecken, Vertrauen und Hingabe zu entwickeln, Hemmungen abzubauen und mit der Zeit ungeahnte Gipfel der Ekstase zu erreichen", schreibt Kalashatra Govinda in dem Buch "Tantra - Geheimnisse östlicher Liebeskunst". Am Ende soll Tantra nicht nur die Sexualität verändern, sondern allgemein zu mehr Lebensfreude und bewusstem Erleben führen. Govinda: "Körper, Seele und Geist werden gepflegt und so gesund erhalten."
Den eigenen Körper wahrnehmen lernen
Tantra beginnt beim Körperbewusstsein. Um die Wahrnehmung des eigenen Körpers zu schulen, leiten Tantra-Lehrer die Übenden zum Beispiel an, sich zu bewegen und einfach ihren Impulsen zu folgen. So können Menschen ganz vorsichtig wieder anfangen, sich selbst wahrzunehmen. Spezielle Yoga-Übungen sollen helfen, Blockaden zu lösen und den Energiefluss des Körpers zu aktivieren, damit sich die so genannten Chakren (Bewusstseinszentren) entfalten können. Beckenbodentraining stärkt die Muskeln im Intimbereich, hilft sie bewusst zu kontrollieren und die Lust zu steigern.Kernstück der Tantra-Übungen sind erotische Massagen, die sich jedem Teil des Körpers ausgiebig widmen, auch dem Intimbereich. Dabei setzt das Paar seine Hände, seine Körper, aber auch Federn, Felle, schmeichelnde Stoffe oder wohlriechende Öle ein. Die Massage soll Verspannungen lösen und Wohlbefinden schaffen. Die intensiven Berührungen vermitteln Nähe und Geborgenheit.
Vor allem Paare, die schon länger zusammen sind, können Sexualität durch Tantra wieder neu erfahren. Sie lernen, ihre Körper anders zu entdecken und der sexuellen Routine zu entfliehen. Dabei sind ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt. Voraussetzung für eine erfüllte Begegnung sind allerdings immer Ruhe und Zeit. (mj)Anregungen für erotische Berührungen
Das Paar benötigt eine lange, zarte Feder. Der empfangende Partner muss nackt sein. Er schließt die Augen und atmet während der Massage tief ein und aus. Dann beginnt der Gebende ihn so sanft mit der Feder zu streicheln, dass sie kaum die Haut berührt: Zuerst auf den Schultern und am Hals, dann am ganzen Körper von oben nach unten und zum Abschluss am Kopf. Danach tauscht das Paar die Rollen.
Der gebende Partner reibt sich kräftig die Hände, um sie zu erwärmen und energetisch aufzuladen. Er streichelt den Partner so leicht, dass er ihn kaum berührt. Alle erotischen Zonen sollten bedacht werden, auch die weniger bekannten: hinter den Ohren, die Augenlider, die Wangerknochen, die Lippen, die Handinnenflächen usw. Danach stellt sich der Streichelnde in Höhe der Taille mit gespreizten Beinen über den Partner und blickt ihn an. Er beginnt den Liegenden mit beiden Händen gleichmäßig vom Nabel über den Brustkorb zu den Schultern und die Arme hinab zu streicheln. Der Empfangende atmet dabei tief ein und aus. Die Bewegungen einige Male wiederholen. Dann stellt sich der Gebende über die Unterschenkel des Partners und streichelt ihn nun vom Nabel abwärts über den Unterleib, die Oberschenkel und Beine bis zu den Füßen.
Das Paar reibt sich gegenseitig am ganzen Körper mit Massageöl ein. Dann stellen sich die beiden dicht zusammen und jeder windet sich wie eine Schlange mit seinem Körper um den des Partners. Nun legt sich einer der beiden hin, während der andere über ihn hinweggleitet. Dabei kann sich der eine z.B. mit den Armen abstützen und Brüste und Genitalien langsam von den Füßen zum Kopf über den Körper des anderen gleiten. Zwischendurch sollte das Paar die Rollen wechseln. Zum Abschluss massieren sich die Partner nacheinander sanft den Nacken, um etwaige Verspannungen zu lösen.
Quelle: Lifeline
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23.09.03 Sigurd Kloster





