Öland oder die Insel des Schreckens
Der kleine Jens verirrt sich im dichten Nebel von Öland und scheint gerettet als ihn ein erwachsener Mann findet. Doch der Junge taucht nie wieder auf…
20 Jahre später. Die Mutter des verschwunden Jungen ist depressiv, alkoholkrank und versucht bis heute das Verschwinden ihres Sohnes irgendwie zu verarbeiten, da erhält sie einen aufreibenden Anruf. Ein neues Beweisstück sei aufgetaucht und sie solle zurück auf die Insel kommen, die sie eigentlich nie wieder betreten wollte.
Es scheint die Insel habe nicht nur ihren Sohn verschluckt, sondern auch die Wahrheit über sein Verschwinden, denn als sie mit den neuen Nachforschungen beginnt, sterben wichtige Zeugen und die Sage des auferstandenen Nils Kant, der ein brutaler Mörder sein und ihren Jungen getötet haben soll, erwacht zu neuem Leben.
Mit „Öland“ haben wir den ersten Teil der Öland-Tetralogie des schwedischen Autors Johan Theorin vor uns, dessen Teile sich jeweils einer Jahreszeit der Insel verschreiben und von einem grausamen Verbrechen berichten. Den Anfang macht der Spätsommer, der von Nebelstürmen auf der schwedischen Insel geprägt ist und für schaurige Atmosphäre sorgt.
Damit die düstere Stimmung, die die Natur von Öland mit sich bringt, auch den Hörer erreicht, wurde Öland als Hörspiel inszeniert. Zwischen den Dialogen der Protagonisten, die von verschiedenen Sprechern gesprochen werden, erklingen mystische Geräuschwelten, die einem die Nackenhaare zu Berge stehen lassen und für Gänsehaut sorgen. Aber auch die Sprecher trumpfen mit kalten, kargen und eher unfreundlichen Stimmlagen auf, sodass kein wohliges Gefühl aufkommen mag.
In dieser Geräuschkulisse können wir 67 Minuten lang einer gebrochenen Mutter folgen, die nichts mehr will als endlich die Wahrheit zu erfahren. Innerhalb der Dialoge kommt allmählich Licht ins Dunkel und das Rätsel beginnt sich zu entwirren, doch als Hörer ist höchste Aufmerksamkeit geboten, um dem Geschehen während den doch recht langen Dialogen folgen zu können.
Aber es lohnt sich, denn der skandinavische Thriller baut geschickt den Spannungsbogen auf und lässt ihn in einem furiosen Finale zerschellen, das alle losen Fäden zusammenführt.
Wer auf die Schwermut skandinavischer Krimis steht und sich auf ein melancholisches Hörspiel, das auf Atmosphäre setzt, einlassen kann, hat hier ein lohnenswertes Werk vor sich, das am 18. Juni im Hörverlag erschien.
Höre ist das schaurige Erlebnis hinein
Cover: © Hörverlag
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