"Samenraub" oder das "Beckerdrama"
Samenraub, lateinisch: rapina seminum, ist ein übles Wort, und natürlich ist es auch ein, nun ja, schmieriges Wort. "War es Samen-Raub?", stand am Mittwoch vergangener Woche auf schwarz untermalten 600 Quadratzentimetern der ersten Seite der "Bild"-Zeitung.

Nein.
Samenraub kann es nicht gewesen sein, denn dem Betroffenen wurde ja nichts entwendet, was der gern behalten hätte. Im vorliegenden Fall wollte das angebliche Opfer wohl selbst etwas loswerden, nur verdammt noch mal nicht so. Sollte man das neue und deshalb namenlose Delikt "Mundraub" nennen? Gibt es schon, meint aber was anderes.
Die Briten, die hübsche Wörter wie "homicide" und "suicide" haben, sprechen im aktuellen Fall von "spermicide"; ein schiefes Bild, denn es geht ja ums Gegenteil des Tötens. War es wirklich ein Spermizid, was da vor 19 Monaten in dieser ockergelben Kammer in der zweiten Etage des Hotels Metropolitan, gegenüber von Hyde Park Corner, geschehen sein soll, zwischen einem Wagen mit schmutzigen Handtüchern und einem mit schmutzigen Bettlaken, unter Rohren, die dürftig mit Alufolie verklebt sind, vor oder auf zwei weißen Regalbrettern?
Der angebliche Tatort ist eine Rumpelkammer für das Personal, in die man kommt, wenn man sich von Robert De Niros japanischem Restaurant "Nobu" in der ersten Etage auf den Weg zur Toilette macht, vor dem Ziel abbiegt und die Treppe ins nächste Stockwerk nimmt. "Do not take risks", steht auf der Tür, aber das ist wohl eher eine Feuerwarnung.
Man könnte das alles schnell erzählen. Das Wesentliche fasst der, nun ja, Volksmund bisweilen mit dem Begriff "blow job" zusammen, lateinisch fellatio. Hin und wieder aber sind auch die Details wichtig.
Angela Ermakowa, die manchmal auch Angela Frampton heißt, ist angeblich russischer Herkunft, 33 Jahre jung und nennt sich "Kellnerin und Model". Sie ist vermutlich das einzige Fotomodell dieser Welt, das noch nie professionell fotografiert wurde, und ob und wo sie schon mal ein Tablett getragen hat, weiß in London auch kein Mensch, aber solange nicht "Dr. Ermakowa" an ihrer Klingel steht, darf sie sich natürlich nennen, wie sie will.
Angela wohnt in Chelsea, 62 Pont Street. Das ist ein schöner Rotklinkerbau, und oben im dritten Stock, in "Flat C", hängen schöne weiße Gardinen. Unten auf der Straße stehen seit zehn Tagen fünf Londoner Paparazzi mit ziemlich dicken Pudelmützen und ziemlich viel Grog in den Thermoskannen, und in diesen zehn Tagen haben diese Jungs ziemlich viele Müllmänner erscheinen und wegfahren gesehen, aber zu ihrem erheblichen Leidwesen niemals Frau Ermakowa.
Die Frau ist fort, und nicht mal Amanda Evans von der selten seriösen Boulevardzeitung "News of the World" weiß, wo sie steckt. "Weg ist sie, einfach weg", klagt Evans, und schön ist Angelas Verschwinden auch für sie nicht. Dass die weg ist, hat wie alles in dieser Geschichte mit dem zu tun, was die frierenden Fotografen auf der Pont Street voller Bewunderung und seit Bill Clinton "Präsidenten-Sex" nennen.
Bevor sie verschwand, hat Ermakowa einer Freundin erzählt, sie habe den Tennisspieler Boris Becker aus Munich (Germany) im Februar 1999 im Restaurant "Nobu" getroffen, ein Autogramm bekommen und fortan geschmachtet. Tag für Tag sei sie zerfressen von Herzeleid ins Hotel Metropolitan gefahren und unten rechts in die Bar marschiert, die natürlich "The Met" heißt.
"The Met" ist ein 7 mal 25 Meter großer Raum mit roten Ledermöbeln, einer an die Wand gepinselten Skyline, HipHop-Musik, zwei Schüsseln mit Kerzen, die wie kleine olympische Feuer aussehen, Kellnern, die lange Koteletten und schwarze Klamotten von Donna Karan tragen, und Preisen, welche die Spesenabrechnung vermutlich erklärungsbedürftig machen.
Keiner weiß, warum, aber "The Met" ist sehr, sehr, sehr im Trend in London; ein "It-Place", wie das hier heißt. Will man zur Toilette, kommt Marilyn Manson, der zottelhaarige und auch sonst nicht ganz gesund aussehende Sänger, die Treppe rauf; sitzt man am Tresen, stiert man zwangsläufig auf die Brüste von Gail Porter, einer blonden Frau vom Fernsehen, die dadurch berühmt wurde, dass sie ihr ungefähr 2000. Nacktfoto an die Front der Houses of Parliament projizieren ließ.
Hier in "The Met" wartete damals die verliebte Angela, Model und Kellnerin, und es dauerte bis zum Juni 1999, bis zum Wimbledon-Turnier, dann war Boris Becker wieder in der Stadt.
Der Baron, wie ihn seine Bewunderer nannten, war ein letztes Mal zurückgekehrt, um würdevoll abzutreten, und er hatte seine schwangere Ehefrau Barbara, seinen Sohn Noah Gabriel und seine Mutter Elvira mitgebracht, und den frechen Nicolas Kiefer hatte er auch schon geschlagen, aber dann regnete es über London. Drei Tage lang. Becker hatte verdammte Langeweile.
Sie habe, so erzählte es Angela, Model und Kellnerin, ihrer Freundin, ihn im "Nobu" wiedergesehen, und dann habe er nach ihrer Telefonnummer gefragt. Klar, dass sie sich bald wieder sehen mussten. Auch klar: im "Nobu", wo das Stückchen Lachs fünf Pfund kostet. Boris, sagt Angela, sagt Angelas Freundin, sei sehr spät erschienen, allein und per Taxi, habe hereingeguckt, sie herausgewunken, und dann seien sie auch schon die Treppe in Richtung Rumpelkammer hinaufgestiegen. Es sei eine kurze, heftige Sache gewesen, er habe ziemlich wild an ihr herumgezerrt, und, ja, natürlich, es sei richtiger Sex gewesen, wenngleich zufällig und leider ungeschützt, aber wer kann schon an alles denken in Zeiten der Liebe?
Das hat Angela, Model und Kellnerin, ihrer Freundin erzählt, und weil die eine richtig gute Freundin ist oder war, erzählte sie es ihren Freunden, und irgendwann landete die Geschichte bei einem Friseurmeister in der Schweiz, der den Wert der Ware berechnete, und wenig später schrieb Amanda Evans von "News of the World" das Geschichtchen auf. Ob alles, vieles oder irgendetwas daran stimmt, konnte bislang nicht weiter erhellt werden; sicher sind zwei Dinge: Boris Becker schied, als der Rasen wieder trocken war, gegen Patrick Rafter aus und sagte, er sei "zu entspannt" gewesen. Neun Monate später wurde die rotblonde Anna geboren.
Es gibt, und damit endlich zum angeblichen Spermizid, noch eine Version. Viele, die sich seit ein paar Wochen um den Scheidungskrieg des Ehepaares Becker kümmern, hatten diese Geschichte schon gehört; angeblich stammte sie von Becker selbst, und der habe sie deshalb erzählt, um Angela Ermakowa einen Betrug nachzuweisen und ein paar Millionen einzusparen. Die Geschichte ging so, dass Detektive eine besonders heftig gebrauchte Windel der rotblonden Anna aus dem Müll hinter 62 Pont Street geangelt hätten und dass dann ein Gentest anhand der abgeschilferten Darmzellen erwiesen habe, dass Boris Becker in London ein drittes Mal Vater geworden sei; er aber könne das nicht begreifen, weil er mit Angela, Model und Kellnerin, schließlich nicht ..., nun ja, weil er eben wie ehedem Bill Clinton "keine sexuelle Beziehung mit dieser Frau" gehabt habe. Preisfrage: Wie kam das Baby in den Bauch?
Man müsste das Delikt, wenn es eines gäbe, also eindeutig "Betrug" nennen, genauer und lateinisch fellatio fallax, oder aber fraus per fellatricem, was dann aber eher der "Betrug durch die Bläserin" wäre. Doch was Milliarden Männer vermutlich mehr interessieren dürfte als der korrekte Begriff: Gibt's so was wirklich?
Möglich ist seit Maria allerlei, und weil ein Herr namens Christoph Fischer, Dr. Fischer, die These vom Samenraub stützen konnte, vermutete "Bild" die Russen-Mafia hinter Angela, die nun liebende Mutter sei und nicht mehr Model und Kellnerin.
Perfekt, das muss man lobend erwähnen. Boris Becker, ein Baby, Samendiebstahl und die Russen-Mafia - verkaufsträchtiger hätte es keine Redaktion erfinden können. Leider, das ist weniger schön, hat die Geschichte wirklich jemand erfunden, vermutlich jener Friseur, der anfangs eine Million Mark dafür haben wollte, oder aber Angelas Freundin. Es ging darum, Becker zu blamieren, der noch immer keine Mark Unterhalt nach London oder Moskau oder Nowosibirsk überwiesen hat.
Becker selbst, darauf hätte man aber auch bei "Bild" kommen können, wollte sich nicht unbedingt selbst als größten Idioten seit Mick Jagger darstellen; lieber würde er sein Familienleben beruhigen und seiner einstigen Ehefrau Barbara die Rückkehr nach München vorbereiten. Ziemlich nüchtern schlägt er deshalb einen DNA-Test vor, der beweisen solle, ob Angela überhaupt die Mutter sei; dann sei auch er bereit zum Vaterschaftstest.
P.S.: Rein technisch wäre es machbar gewesen. Angela hätte das Diebesgut in ein mit Eiswürfeln gefülltes Glas spucken, on the rocks forttransportieren und bis zum nächsten Eisprung konservieren können. Oder ein russischer Arzt hätte in einer abgedunkelten Limousine vorfahren und in seiner Praxis das durchführen können, was Mediziner "intrazytoplasmatische Spermatozoeninjektion" nennen - eine Eizelle wird per Bauchspiegelung entnommen, mit einem Spermium befruchtet und wieder eingesetzt.
Dann wären noch ungefähr 399 999 999 Spermien übrig gewesen. Dann wäre womöglich in einem Eisfach, zwischen Wodka und Fischstäbchen, ein Reagenzglas zwischengelagert worden und schließlich viele Embryonen in flüssigem Stickstoff gelandet.
Dann könnte Boris Becker noch viele, viele Male reproduziert werden.
Nein.
Samenraub kann es nicht gewesen sein, denn dem Betroffenen wurde ja nichts entwendet, was der gern behalten hätte. Im vorliegenden Fall wollte das angebliche Opfer wohl selbst etwas loswerden, nur verdammt noch mal nicht so. Sollte man das neue und deshalb namenlose Delikt "Mundraub" nennen? Gibt es schon, meint aber was anderes. Die Briten, die hübsche Wörter wie "homicide" und "suicide" haben, sprechen im aktuellen Fall von "spermicide"; ein schiefes Bild, denn es geht ja ums Gegenteil des Tötens. War es wirklich ein Spermizid, was da vor 19 Monaten in dieser ockergelben Kammer in der zweiten Etage des Hotels Metropolitan, gegenüber von Hyde Park Corner, geschehen sein soll, zwischen einem Wagen mit schmutzigen Handtüchern und einem mit schmutzigen Bettlaken, unter Rohren, die dürftig mit Alufolie verklebt sind, vor oder auf zwei weißen Regalbrettern?
Der angebliche Tatort ist eine Rumpelkammer für das Personal, in die man kommt, wenn man sich von Robert De Niros japanischem Restaurant "Nobu" in der ersten Etage auf den Weg zur Toilette macht, vor dem Ziel abbiegt und die Treppe ins nächste Stockwerk nimmt. "Do not take risks", steht auf der Tür, aber das ist wohl eher eine Feuerwarnung.
Man könnte das alles schnell erzählen. Das Wesentliche fasst der, nun ja, Volksmund bisweilen mit dem Begriff "blow job" zusammen, lateinisch fellatio. Hin und wieder aber sind auch die Details wichtig.
Angela Ermakowa, die manchmal auch Angela Frampton heißt, ist angeblich russischer Herkunft, 33 Jahre jung und nennt sich "Kellnerin und Model". Sie ist vermutlich das einzige Fotomodell dieser Welt, das noch nie professionell fotografiert wurde, und ob und wo sie schon mal ein Tablett getragen hat, weiß in London auch kein Mensch, aber solange nicht "Dr. Ermakowa" an ihrer Klingel steht, darf sie sich natürlich nennen, wie sie will.
Angela wohnt in Chelsea, 62 Pont Street. Das ist ein schöner Rotklinkerbau, und oben im dritten Stock, in "Flat C", hängen schöne weiße Gardinen. Unten auf der Straße stehen seit zehn Tagen fünf Londoner Paparazzi mit ziemlich dicken Pudelmützen und ziemlich viel Grog in den Thermoskannen, und in diesen zehn Tagen haben diese Jungs ziemlich viele Müllmänner erscheinen und wegfahren gesehen, aber zu ihrem erheblichen Leidwesen niemals Frau Ermakowa.
Die Frau ist fort, und nicht mal Amanda Evans von der selten seriösen Boulevardzeitung "News of the World" weiß, wo sie steckt. "Weg ist sie, einfach weg", klagt Evans, und schön ist Angelas Verschwinden auch für sie nicht. Dass die weg ist, hat wie alles in dieser Geschichte mit dem zu tun, was die frierenden Fotografen auf der Pont Street voller Bewunderung und seit Bill Clinton "Präsidenten-Sex" nennen.
Bevor sie verschwand, hat Ermakowa einer Freundin erzählt, sie habe den Tennisspieler Boris Becker aus Munich (Germany) im Februar 1999 im Restaurant "Nobu" getroffen, ein Autogramm bekommen und fortan geschmachtet. Tag für Tag sei sie zerfressen von Herzeleid ins Hotel Metropolitan gefahren und unten rechts in die Bar marschiert, die natürlich "The Met" heißt.
"The Met" ist ein 7 mal 25 Meter großer Raum mit roten Ledermöbeln, einer an die Wand gepinselten Skyline, HipHop-Musik, zwei Schüsseln mit Kerzen, die wie kleine olympische Feuer aussehen, Kellnern, die lange Koteletten und schwarze Klamotten von Donna Karan tragen, und Preisen, welche die Spesenabrechnung vermutlich erklärungsbedürftig machen.
Keiner weiß, warum, aber "The Met" ist sehr, sehr, sehr im Trend in London; ein "It-Place", wie das hier heißt. Will man zur Toilette, kommt Marilyn Manson, der zottelhaarige und auch sonst nicht ganz gesund aussehende Sänger, die Treppe rauf; sitzt man am Tresen, stiert man zwangsläufig auf die Brüste von Gail Porter, einer blonden Frau vom Fernsehen, die dadurch berühmt wurde, dass sie ihr ungefähr 2000. Nacktfoto an die Front der Houses of Parliament projizieren ließ.
Hier in "The Met" wartete damals die verliebte Angela, Model und Kellnerin, und es dauerte bis zum Juni 1999, bis zum Wimbledon-Turnier, dann war Boris Becker wieder in der Stadt.
Der Baron, wie ihn seine Bewunderer nannten, war ein letztes Mal zurückgekehrt, um würdevoll abzutreten, und er hatte seine schwangere Ehefrau Barbara, seinen Sohn Noah Gabriel und seine Mutter Elvira mitgebracht, und den frechen Nicolas Kiefer hatte er auch schon geschlagen, aber dann regnete es über London. Drei Tage lang. Becker hatte verdammte Langeweile.
Sie habe, so erzählte es Angela, Model und Kellnerin, ihrer Freundin, ihn im "Nobu" wiedergesehen, und dann habe er nach ihrer Telefonnummer gefragt. Klar, dass sie sich bald wieder sehen mussten. Auch klar: im "Nobu", wo das Stückchen Lachs fünf Pfund kostet. Boris, sagt Angela, sagt Angelas Freundin, sei sehr spät erschienen, allein und per Taxi, habe hereingeguckt, sie herausgewunken, und dann seien sie auch schon die Treppe in Richtung Rumpelkammer hinaufgestiegen. Es sei eine kurze, heftige Sache gewesen, er habe ziemlich wild an ihr herumgezerrt, und, ja, natürlich, es sei richtiger Sex gewesen, wenngleich zufällig und leider ungeschützt, aber wer kann schon an alles denken in Zeiten der Liebe?
Das hat Angela, Model und Kellnerin, ihrer Freundin erzählt, und weil die eine richtig gute Freundin ist oder war, erzählte sie es ihren Freunden, und irgendwann landete die Geschichte bei einem Friseurmeister in der Schweiz, der den Wert der Ware berechnete, und wenig später schrieb Amanda Evans von "News of the World" das Geschichtchen auf. Ob alles, vieles oder irgendetwas daran stimmt, konnte bislang nicht weiter erhellt werden; sicher sind zwei Dinge: Boris Becker schied, als der Rasen wieder trocken war, gegen Patrick Rafter aus und sagte, er sei "zu entspannt" gewesen. Neun Monate später wurde die rotblonde Anna geboren.
Es gibt, und damit endlich zum angeblichen Spermizid, noch eine Version. Viele, die sich seit ein paar Wochen um den Scheidungskrieg des Ehepaares Becker kümmern, hatten diese Geschichte schon gehört; angeblich stammte sie von Becker selbst, und der habe sie deshalb erzählt, um Angela Ermakowa einen Betrug nachzuweisen und ein paar Millionen einzusparen. Die Geschichte ging so, dass Detektive eine besonders heftig gebrauchte Windel der rotblonden Anna aus dem Müll hinter 62 Pont Street geangelt hätten und dass dann ein Gentest anhand der abgeschilferten Darmzellen erwiesen habe, dass Boris Becker in London ein drittes Mal Vater geworden sei; er aber könne das nicht begreifen, weil er mit Angela, Model und Kellnerin, schließlich nicht ..., nun ja, weil er eben wie ehedem Bill Clinton "keine sexuelle Beziehung mit dieser Frau" gehabt habe. Preisfrage: Wie kam das Baby in den Bauch?
Man müsste das Delikt, wenn es eines gäbe, also eindeutig "Betrug" nennen, genauer und lateinisch fellatio fallax, oder aber fraus per fellatricem, was dann aber eher der "Betrug durch die Bläserin" wäre. Doch was Milliarden Männer vermutlich mehr interessieren dürfte als der korrekte Begriff: Gibt's so was wirklich?
Möglich ist seit Maria allerlei, und weil ein Herr namens Christoph Fischer, Dr. Fischer, die These vom Samenraub stützen konnte, vermutete "Bild" die Russen-Mafia hinter Angela, die nun liebende Mutter sei und nicht mehr Model und Kellnerin.
Perfekt, das muss man lobend erwähnen. Boris Becker, ein Baby, Samendiebstahl und die Russen-Mafia - verkaufsträchtiger hätte es keine Redaktion erfinden können. Leider, das ist weniger schön, hat die Geschichte wirklich jemand erfunden, vermutlich jener Friseur, der anfangs eine Million Mark dafür haben wollte, oder aber Angelas Freundin. Es ging darum, Becker zu blamieren, der noch immer keine Mark Unterhalt nach London oder Moskau oder Nowosibirsk überwiesen hat.
Becker selbst, darauf hätte man aber auch bei "Bild" kommen können, wollte sich nicht unbedingt selbst als größten Idioten seit Mick Jagger darstellen; lieber würde er sein Familienleben beruhigen und seiner einstigen Ehefrau Barbara die Rückkehr nach München vorbereiten. Ziemlich nüchtern schlägt er deshalb einen DNA-Test vor, der beweisen solle, ob Angela überhaupt die Mutter sei; dann sei auch er bereit zum Vaterschaftstest.
P.S.: Rein technisch wäre es machbar gewesen. Angela hätte das Diebesgut in ein mit Eiswürfeln gefülltes Glas spucken, on the rocks forttransportieren und bis zum nächsten Eisprung konservieren können. Oder ein russischer Arzt hätte in einer abgedunkelten Limousine vorfahren und in seiner Praxis das durchführen können, was Mediziner "intrazytoplasmatische Spermatozoeninjektion" nennen - eine Eizelle wird per Bauchspiegelung entnommen, mit einem Spermium befruchtet und wieder eingesetzt.
Dann wären noch ungefähr 399 999 999 Spermien übrig gewesen. Dann wäre womöglich in einem Eisfach, zwischen Wodka und Fischstäbchen, ein Reagenzglas zwischengelagert worden und schließlich viele Embryonen in flüssigem Stickstoff gelandet.
Dann könnte Boris Becker noch viele, viele Male reproduziert werden.
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25.03.01 Sigurd Kloster





